Autor: Leopold von Sacher-Masoch
Leopold von Sacher-Masoch, »Venus im Pelz«, Das Vermächtniß Kains, Erster Theil: »Die Liebe«, Zweiter Band, Verlag der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, Stuttgart, 1870.
Venus im Pelz
Erotischer Roman (1870)
par Leopold von Sacher-Masoch»Kennen Sie mich noch nicht, ja, ich bin grausam - weil Sie denn schon an dem Worte so viel Vergnügen finden - und habe ich nicht recht, es zu sein? Der Mann ist der Begehrende, das Weib das Begehrte, dies ist des Weibes ganzer, aber entscheidender Vorteil, die Natur hat ihm den Mann durch seine Leidenschaft preisgegeben, und das Weib, das aus ihm nicht seinen Untertan, seinen Sklaven, ja sein Spielzeug zu machen und ihn zuletzt lachend zu verraten versteht, ist nicht klug.«
»Ihre Grundsätze, meine Gnädige«, warf ich entrüstet ein.
»Beruhen auf tausendjähriger Erfahrung«, entgegnete Madame spöttisch, während ihre weißen Finger in dem dunkeln Pelz spielten, »je hingebender das Weib sich zeigt, um so schneller wird der Mann nüchtern und herrisch werden; je grausamer und treuloser es aber ist, je mehr es ihn mißhandelt, je frevelhafter es mit ihm spielt, je weniger Erbarmen es zeigt, um so mehr wird es die Wollust des Mannes erregen, von ihm geliebt, angebetet werden. So war es zu allen Zeiten, seit Helena und Delila, bis zur zweiten Katharina und Lola Montez herauf.« (Leopold von Sacher-Masoch, Venus im Pelz).
Venus im Pelz
Erotischer Roman (1870)
par Leopold von Sacher-Masoch»Wollen Sie mein Sklave sein?«
»In der Liebe gibt es kein Nebeneinander«, erwiderte ich mit feierlichem Ernst, »sobald ich aber die Wahl habe, zu herrschen oder unterjocht zu werden, scheint es mir weit reizender, der Sklave eines schönen Weibes zu sein. Aber wo finde ich das Weib, das nicht mit kleinlicher Zanksucht Einfluß zu erringen, sondern ruhig und selbstbewußt, ja streng zu herrschen versteht?«
»Nun, das wäre am Ende nicht so schwer.«
»Sie glauben -«
»Ich - zum Beispiel - -« sie lachte und bog sich dabei weit zurück - »ich habe Talent zur Despotin - die nötigen Pelze besitze ich auch - aber Sie haben sich heute nacht in allem Ernste vor mir gefürchtet!«
»In allem Ernste.«
»Und jetzt?«
»Jetzt - jetzt fürchte ich mich erst recht vor Ihnen!« (Leopold von Sacher-Masoch, Venus im Pelz).
Venus im Pelz
Erotischer Roman (1870)
par Leopold von Sacher-Masoch»Aber, Severin«, entgegnete Wanda beinahe zornig, »halten Sie mich denn dessen für fähig, einen Mann, der mich so liebt wie Sie, den ich liebe, zu mißhandeln?«
»Warum nicht, wenn ich Sie dafür um so mehr anbete, Man kann nur wahrhaft lieben, was über uns steht, ein Weib, das uns durch Schönheit, Temperament, Geist, Willenskraft unterwirft, das unsere Despotin wird.«
»Also das, was andere abstößt, zieht Sie an?«
»So ist es. Es ist eben meine Seltsamkeit.«
»Nun, am Ende ist an allen Ihren Passionen nichts so Apartes oder Seltsames, denn wem gefällt nicht ein schöner Pelz und jeder weiß und fühlt, wie nahe Wollust und Grausamkeit verwandt sind.
»Bei mir ist dies alles aber auf das Höchste gesteigert«, erwiderte ich.
»Das heißt, die Vernunft hat wenig Gewalt über Sie, und Sie sind eine weiche hingebende sinnliche Natur.
»Waren die Märtyrer auch weiche sinnliche Naturen?«
»Die Märtyrer?«
»Im Gegenteil, es waren übersinnliche Menschen, welche im Leiden einen Genuß fanden, welche die furchtbarsten Qualen, ja den Tod suchten wie andere die Freude, und so ein Übersinnlicher bin ich, Madame.«
»Geben Sie nur acht, daß Sie dabei nicht auch zum Märtyrer der Liebe, zum Märtyrer eines Weibes werden.« (Leopold von Sacher-Masoch, Venus im Pelz).
Venus im Pelz
Erotischer Roman (1870)
par Leopold von Sacher-Masoch»Sie schritt zum Kamine, nahm die Peitsche vom Sims und ließ sie, mich mit einem Lächeln betrachtend, durch die Luft pfeifen, dann schürzte sie den Ärmel ihrer Pelzjacke langsam auf.
»Wunderbares Weib!« rief ich.
»Schweig, Sklave!« sie blickte plötzlich finster, ja wild und hieb mich mit der Peitsche; im nächsten Augenblicke schlang sie jedoch den Arm zärtlich um meinen Nacken und bückte sich mitleidig zu mir. »Habe ich dir weh getan?« fragte sie halb verschämt, halb ängstlich.
»Nein!« entgegnete ich, »und wenn es wäre, mir sind Schmerzen, die du mir bereitest, ein Genuß. Peitsche mich nur, wenn es dir ein Vergnügen macht.«
»Aber es macht mir kein Vergnügen.«
Wieder ergriff mich jene seltsame Trunkenheit.
»Peitsche mich«, bat ich, »peitsche mich ohne Erbarmen.« (Leopold von Sacher-Masoch, Venus im Pelz).
Venus im Pelz
Erotischer Roman (1870)
par Leopold von Sacher-MasochVenus im Pelz
Erotischer Roman (1870)
par Leopold von Sacher-MasochVenus im Pelz
Erotischer Roman (1870)
par Leopold von Sacher-MasochVenus im Pelz
Erotischer Roman (1870)
par Leopold von Sacher-MasochVenus im Pelz
Erotischer Roman (1870)
par Leopold von Sacher-Masoch